Wir sind Cupfinal

Ich bin inzwischen aus Berlin zurück, werde allerdings nicht gross darüber schreiben; schliesslich gibt’s ja genügend Leute, die das die ganze Zeit über machen (so entsteht dann auch diese ganze so genannte Berlin Literatur, die dann meist irgendwo zwischen Prenzlauer Berg und Hackeschen Höfen spielt und in der dauernd Typen auftreten, die Gonzo oder Lydia heissen, irgendetwas mit Werbung und Kommunikation machen und ein Loft mit Sicht auf die Spree bewohnen). Ich möchte an dieser Stelle nur sagen, dass mir der Flughafen Berlin Tegel gut gefallen hat, der Terminal sieht aus wie eine grosse Bienenwabe und erinnert an die bundesrepublikanische Bescheidenheit der frühen achtziger Jahre, an eine Zeit also, in welcher der Bundeskanzler Helmut Kohl, der damals noch in eine durchschnittliche Liftkabine passte, eine „geistig moralische Wende“ ankündigte. Diese Wende kam nicht, dafür aber die Spendenaffäre und später dann Gerhard Schröder.

Ich fliege mit Air Berlin nach Zürich, irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Chef von Air Berlin seine Stewardessen bloss nach der Schönheit auswählt. Das könnte durchaus stimmen, denn nach rund zwanzig Minuten beugt sich eine äusserst attraktive, wenn auch etwas kühle Blondine zu mir herab und fragt, ob ich ein Sandwich mit Schinken möchte oder lieber eines mit Käse. Ich entscheide mich für letzteres und bestelle zusätzlich zwei Deziliter Rotwein, was dann drei Euro kostet. Der Wein ist scheusslich, beruhigt aber wenigstens mein Herz. Gegen neun Uhr Abend landet das Flugzeug in Zürich Kloten, ich steige aus, gehe durch leere Hallen und fahre mit der so genannten Sky Metro zum Ausgang. Dieser Flughafen ist ein architektonischer Witz, denke ich, eine Art überdimensioniertes Pharaonengrab für die untergegangene Swissair.

Ein paar Tage später sehe ich den Film über Truman Capote, der im senfgelben Mantel näselnd durchs Kansas der Fünfzigerjahre trippelt und dabei immer einen Martini Dry in der Hand hält. Gleichzeitig gewinnt YB auswärts gegen den FC Zürich und steht im Cupfinale, zum ersten Mal seit 1991. Diese Tatsache berührt mich zutiefst, schliesslich bin ich ein Berner. Und wenn YB gegen die verdammten Zürcher gewinnt, hat sich ein Berner schliesslich ganz besonders zu freuen. Das ist dann nämlich die Rache der Provinz an der selbsternannten Metropole.

Zur Feier des Tages trinke ich zwei Feldschlösschen vom Zapf in einer Bar, die Gut Gelaunt heisst und eigentlich gerne hip wäre, leider aber nur bieder ist. Auf der Speisekarte steht dann auch, dass das Lokal nach den Kriterien des Feng Shui eingerichtet worden ist und die Beleuchtung sich der jeweiligen Jahreszeit anpasst. So etwas ist natürlich vollkommen lächerlich, macht aber trotzdem nichts, weil: wir sind Cupfinal!

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