My first Döner

Phil hat stets behauptet, es wäre einfach in Berlin eine Wohnung zu finden. Ich bin da mittlerweile anderer Meinung: die Typen, die in den Immobilienfirmen arbeiten, sind immer schlecht gelaunt und wenn man dort anruft, dann kommt einem das vor, als spreche man mit einem Bewährungshelfer: mürrischer Ton in der Stimme, knappe ja’s und nein’s im Sekundentakt und eine maximale Gesprächsdauer von fünfunddreissig Sekunden. So was macht keinen Spass.Aber eigentlich brauche ich ja gar keine Wohnung. In Berlin lässt es sich auch ohne Dach über dem Kopf gut leben, man muss nur bis fünf Uhr früh in irgendeinem Club hängen bleiben und dann nebenan eine Kneipe finden, die Brunch für fünf – Euro anbietet. Bei warmen Brötchen, Milchkaffee und Fruchtsalat beruhigt sich dann auch der Magen, den die fettigen Schawarmas am Vorabend ziemlich durcheinander gebracht haben.

Ich komme am Montagabend in Berlin an, am Ostbahnhof, einem modernisierten DDR – Bau, in dessen Hallen alte Säufer und Punks mit Hunden herumlungern. Phil holt mich ab, wir gehen in eine Kneipe in Friedrichshain und trinken Bier. Das Barpersonal und die anderen Gäste sind überaus freundlich, allerdings dauert es eine Weile bis wir merken, dass sich dabei ausschliesslich um Männer handelt. Beim Rausgehen fällt dann auch die Regenbogenfahne auf. Zu Hause nehme ich die Antidepressiva, die mir mein Hausarzt gegen meine Magenprobleme verschrieben hat. Tags darauf esse ich meinen ersten Döner als Wahlberliner. Ohne Zwiebeln, natürlich. Eigentlich soll man Döner ja nur bei Nacht und unter Alkoholeinfluss essen, aber weil die Dinger hier billiger sind als zwei Steaks, eine Flasche Rijocha, Brot und Edamer im Supermarkt um die Ecke darf das Hammelfleisch im Taschenbrot ausnahmsweise auch bei Tageslicht verzehrt werden. Der erste Döner in Berlin wurde übrigens bereits 1971 verkauft. Damals war so was noch eine richtige Attraktion. Heute gehört der Kepab zur Volkskultur.

One Response to “My first Döner”

  1. dk Says:

    Also muss man jetzt definitiv nach berlin kommen, wenn man mit dir wieder mal ein bier trinken möchte?

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