Helden der Popkultur

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Jean-Paul Belomondo und Jean Seberg in Godards Kultfilm „Ausser Atem“? Steve McQueen und Ali Mac Graw in „Getaway“, kurz vor Antritt der Flucht? Beides möglich, aber trotzdem falsch. Die Szene spielt weder in New Mexiko noch im Paris der späten fünfziger Jahre, sondern in der BRD des Jahres 1968. Der Hintergrund: deutsche Anarchisten zünden Kaufhäuser an. Die Hauptdarsteller: Andreas Baader und Gudrun Ensslin oder: Bonnie and Clyde als deutsche Terroristen. „Die RAF war von Anfang an Pop“ behauptet meine Tischnachbarin Anke und weist auf all die Bilder hin, die die Terroristen als Ikonen zeigen. Anke hat in ihrere Magisterarbeit über die RAF geschrieben. Ich überlege eine Weile und nicke dann. Schliesslich habe ich Stefan Austs Baader-Meinhof-Komplex mit siebzehn als Abenteuerroman gelesen. Schnelle Autos, ein unstetes Leben und eine Prise Revolutionsromantik. Und über allem die Ästhetik der französischen Nouvelle Vague. Vielleicht ging es auch nur darum, den Mädchen zu imponieren. Das würde jedenfalls die sinnlosen Worthülsen der Kassiber erklären. Und Baaders Vorliebe für gelbe Porsche Carreras. Was die RAF von den heutigen Terroristen unterscheidet? Sie liebten das Leben, nicht den Tod. Das machte sie kalkulierbar. Und rückblickend gesehen irgendwie naiv. Kann so etwas Sympathie wecken? „Damals erklärte sich laut einer Umfrage jeder siebte Deutsche bereit, Baader und seine Leute bei sich aufzunehmen“, sagt Anke und lächelt scheu. „Ich glaube“, fügt sie dann an, „ich hätte auch dazu gehört.“ Und ich? Ich weiss nicht, wie weit ich gegangen wäre. Der Reiz des unverbrauchten, radikalen Abenteuers lässt sich ja nicht wegdiskutieren. Mit anderen Worten: vielleicht hätte ich mitgemacht.?

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