Dies ist kein Vorsatz, sondern ein Wunsch
Wednesday, January 2nd, 2008
Beim Italiener in der Kastanienallee warten wir ungefähr anderthalb Stunden auf unser Essen und PF hat am Ende solchen Hunger, dass er nebst seiner Pizza gleich noch einen ganzen Teller Pasta verdrückt. Aber wer will ihm das schon übel nehmen, schließlich hat der Alkohol in seinem Magen jede Menge verbranntes Ödland hinterlassen. Später wollen wir dann ins Zu mir oder zu dir, aber weil das Zu mir oder zu dir zu ist, gehen wir ins Dr. Pong. Ich lege meine Beine auf den Glastisch im hinteren Teil des Raumes und warte, bis mir Dave eine Flasche Bier bringt. Der DJ spielt sanften Elektropop und ein blondes Mädchen sieht meine winzigen Augen und lacht und sagt laut: „Silvester, eben.“ Ich nicke und das Mädchen geht weg und ich denke: gut, das ist also jetzt 2008.
Dann kommt Dave mit dem Bier und als ich den ersten Schluck genommen habe, merke ich, dass ich heute besser nicht trinken würde, aber dazu ist es zu spät und überhaupt sind Neujahrsvorsätze eine furchtbar dumme Sache. Was soll sich schon von einem Tag auf den anderen groß ändern, denke ich, mein Alltag ist schließlich eine Art zähflüssige Masse, die sich nur unter schwerstem Aufwand in eine bestimmte Richtung lenken lässt. Dann fällt mir ein, dass mich gestern inmitten des Lärms irgendwer gefragt hat, was ich mir eigentlich für das neue Jahr wünschen würde. Weil ich im Wünschen aber nicht sehr gut bin und zudem mit jedem Drink einfallsloser werde, habe ich mich um die Antwort gedrückt und stattdessen irgendetwas Blödes gesagt. Gute 12 Stunden später, als all die Touristen langsam nach Hause fahren und ich im Dr. Pong endlich wieder die Beine auf den Glastisch legen kann, weiß ich endlich was ich will: man stelle sich vor, es ist Sommer, unten läuft die 88. Minute und die Schweiz führt gegen Italien 5:1 durch Tore von Frei, Yakin und Barnetta. Noch zwei Zeigerumdrehungen und wir sind Europameister. Das ist kein Vorsatz, sondern ein Wunsch, und zwar ein ziemlich unrealistischer. Aber selbst die naivste Hoffnung stirbt ja bekanntlich erst ganz am Schluss.
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