Dies ist kein Vorsatz, sondern ein Wunsch

January 2nd, 2008

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Beim Italiener in der Kastanienallee warten wir ungefähr anderthalb Stunden auf unser Essen und PF hat am Ende solchen Hunger, dass er nebst seiner Pizza gleich noch einen ganzen Teller Pasta verdrückt. Aber wer will ihm das schon übel nehmen, schließlich hat der Alkohol in seinem Magen jede Menge verbranntes Ödland hinterlassen. Später wollen wir dann ins Zu mir oder zu dir, aber  weil das Zu mir oder zu dir zu ist, gehen wir ins Dr. Pong. Ich lege meine Beine auf den Glastisch im hinteren Teil des Raumes und warte, bis mir Dave eine Flasche Bier bringt. Der DJ spielt sanften Elektropop und ein blondes Mädchen sieht meine winzigen Augen und lacht und sagt laut: „Silvester, eben.“ Ich nicke und das Mädchen geht weg und ich denke: gut, das ist also jetzt 2008.

Dann kommt Dave mit dem Bier und als ich den ersten Schluck genommen habe, merke ich, dass ich heute besser nicht trinken würde, aber dazu ist es zu spät und überhaupt sind Neujahrsvorsätze eine furchtbar dumme Sache. Was soll sich schon von einem Tag auf den anderen groß ändern, denke ich, mein Alltag ist schließlich eine Art zähflüssige Masse, die sich nur unter schwerstem Aufwand in eine bestimmte Richtung lenken lässt.  Dann fällt mir ein, dass mich gestern inmitten des Lärms irgendwer gefragt hat, was ich mir eigentlich für das neue Jahr wünschen würde. Weil ich im Wünschen aber nicht sehr gut bin und zudem mit jedem Drink einfallsloser werde, habe ich mich um die Antwort gedrückt und stattdessen irgendetwas Blödes gesagt. Gute 12 Stunden später, als all die Touristen langsam nach Hause fahren und ich im Dr. Pong endlich wieder die Beine auf den Glastisch legen kann, weiß ich endlich was ich will: man stelle sich vor, es ist Sommer, unten läuft die 88. Minute und die Schweiz führt gegen Italien 5:1 durch Tore von Frei, Yakin und Barnetta. Noch zwei Zeigerumdrehungen und wir sind Europameister. Das ist kein Vorsatz, sondern ein Wunsch, und zwar ein ziemlich unrealistischer. Aber selbst die naivste Hoffnung stirbt ja bekanntlich erst ganz am Schluss.

pic: www.blick.ch

The Future is Unwritten

December 19th, 2007

Die Leute suchen sich immer die Weihnachtszeit aus, um Berlin zu verlassen. Vielleicht liegt es daran, dass die Stadt im Winter einfach viel zu kalt ist und die Leuchtgirlanden in der Friedrichstrasse dem Eiswind aus Sibirien so gut wie nichts entgegen zu setzen haben. Oder aber es ist nur, weil wieder ein Jahr zu Ende geht und damit ein weiterer dieser künstlich geschaffenen Abschnitte vorüber ist, von denen man in einem durchschnittlichen Leben vielleicht gerade mal neunzig Stück zur Verfügung hat und die dir daher mit fortlaufender Dauer deiner Existenz immer wertvoller erscheinen. „Wenn PF nach Argentinien abhaut, dann ist alles wieder so wie am Anfang“, sagt Julien, während wir beim Italiener in der Schönhauserallee sitzen und auf unser Essen warten. „Das stimmt“ sage ich. „Wir werden zu zweit durch den Prenzlauer Berg ziehen, hin und wieder bei Phil im Dr. Pong ein Glas Ricard trinken und dabei irgendwelche alte Anekdoten aufwärmen.“ Skizzenhafte Geschichten aus einer hitzegeplagten, schnellen Zeit, deren dunkle Ränder im Fernglas der Erinnerung zunehmend dünner werden und die uns daher wie verklärte Überlieferungen aus einer längst vergangenen, goldenen Epoche vorkommen werden.

Julien mag diese Wehmut nicht. Er zündet sich eine Zigarette an, blickt nervös umher, während der jugoslawische Kellner mit Ruccola bedeckte Pizzas bringt. Draußen fährt eine hell erleuchtete U-Bahn Richtung Alexanderplatz und Julien sagt: „Vielleicht suche ich mir Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff.“ – „Auf einem Sexschiff?“ – „Nein, kein Sexschiff. Ein richtiges Kreuzfahrtschiff. Ein Kumpel von mir hat das gemacht: dreitausend Mittelstandsfrauen auf Prozac und viel mehr Geld, als du ausgeben kannst. Danach käme ich zurück und würde endlich mein Restaurant aufmachen.“ – „Dann würdest du ein Restaurant aufmachen.“ „Na klar würde ich das. Ein richtiges Bistro wie in Frankreich. Mit großen Spiegeln an der Wand, wo jeden Mittag das Menu mit Kreide draufgeschrieben würde und mit einer halbrunden Bar aus dunklem Holz voller Pernotflaschen, bretonischen Schnäpsen und korsischem Calva. Ein richtiges französisches Bistro eben.“ Ich sage zu Julien, dass ich das gut fände und dass ich ihn, sobald ich genügend Geld hätte auch dabei unterstützen würde. Er lacht und meint, in dem Falle könne er wohl ewig warten. „Bis einer von uns es zu etwas gebracht hat, dauert es doch mindestens noch zehn Jahre. Und überhaupt: wer weiß schon wo wir in zehn Jahren sein werden.“

Vermutlich längst nicht mehr in Berlin. Das Gesicht der Stadt wird ein anderes sein, die Furchen geglättet von unzähligen Schönheitsoperationen, die Strassen gesäubert und die Lichter viel heller und damit auch viel unbarmherziger in ihrer Enthüllungskraft. Hertha BSC wird vielleicht deutscher Meister gewesen sein und der Flughafen Tempelhof ein Denkmal ohne Seele. Im rauchfreien Berghain tanzen dann die spanischen und italienischen Touristen zum Retro – Techno aus den Nullerjahren, während ein zum Veganer konvertierter Pete Doherty im renovierten Tränenpalast ein Unplugged – Konzert für einen Haufen sitzende, mit übereinandergelegten Beinen wippende Mittvierziger gibt. PF wird in Patagonien auf einer windschiefen Holzveranda sitzen, an seinem dritten Roman schreiben und – wenn er Glück hat – immer noch mit der bezaubernden Jen verheiratet sein, Sascha hat die Höhen und Tiefen einer Popkarriere hinter sich und längst keine existenziellen Sorgen mehr, Phil versucht sich mit einer Tischtennis – Bar – Kette namens Dr. Pong, Julien hockt in seinem Bistro und verleiht dem Pariser Glamour die feinen Schattierungen der Unterwelt und Lisa wird – wenn die Dinge so laufen wie sie laufen sollten – die talentierteste Schriftstellerin unserer Generation. Und ich? Vermutlich werden meine Augen ein wenig wässrig sein und mein Haar etwas lichte, aber solange ich meine Zigaretten noch rezeptfrei bekomme und man mir in der gelenkten Demokratie namens Europa/Deutschland die Umweltplakette für meinen Ford Mustang nicht verweigert, geht es mir einigermaßen gut.

Ich bezahle bei dem jugoslawischen Kellner und lasse etwas Trinkgeld liegen, was dieser mit einem Lächeln quittiert. Draußen schlägt mir die Kälte ins Gesicht, hinter den Fenstern leuchten Bruchstücke von naiver Weihnachtsbeleuchtung und Julien sagt: „Was ich im Winter am meisten mag ist der Himmel. Er sieht beinahe lila aus.“ Zu Hause drehe ich die Heizung auf und sehe fern. Beckmann spricht mit Karl Lagerfeld und Karl Lagerfeld trägt wie immer eine korrigierte Sonnebrille und sagt: „Die Vergangenheit ist mir gleichgültig. Die einzigen Dinge, die zählen, sind die Gegenwart und die Zukunft.“ Das stimmt, denke ich. Aber die Zukunft ist ein unbeschriebenes Blatt.

Schnee auf der Schönhauserallee

November 27th, 2007

Jedes Mal, wenn ich nach Kreuzberg fahre, überkommt mich eine unbestimmte Melancholie. Ich weiß nicht woran das liegt. Vielleicht ist es nur die Angst, irgendetwas zu verpassen. Ich bin ziemlich selten hier unten, zwischen Oranienstrasse und Bergmann – Kiez, ich lebe auf der anderen Seite der Spree und kann daher nur erahnen, wie der Alltag hier aussehen mag. Meist sind es ja die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen. „Kreuzberg ist schmutzig“, hat Julien im Spass gesagt, als wir von Bastis Abschiedsparty weggegangen sind, aber ich habe nicht geantwortet und stattdessen gedacht, dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, ein paar Jahre am Landwehrkanal zu wohnen. Du gehst spätabends in die Ankerklause, prostest den speckigen Lederjackentypen mit Jägermeister zu und tanzt mit einem rothaarigen Mädchen Chachacha. Danach läufst du nach Hause, in deine Einzimmerwohnung unterm Dach und schreibst ein Stück über einen Mann, der seinen Namen vergisst. Natürlich wäre so ein Leben nichts anderes, als ein zuckersüsses Klischee der Poesie, eine Art romantisches Refugium der Anti – Moderne. Aber mal ehrlich: meint Klischee in diesem Fall nicht einfach nur eine überspitzte Form des Ideals?

Dave reicht mir ein Glas voller Bier. Er ist für ein paar Tage nach Berlin gekommen, weil er es in Bern gerade nicht mehr aushält. “Meine Freunde dort scheinen alle zu wissen was sie wollen”, sagt er. Ich sage etwas zustimmendes, betrachte die Leute um mich herum, die vor der getäfelten Innenwand eines Lokals namens Monarch stehen und sich zu undefinierbarem Rocksound wabernd hin und her bewegen, als Julien und PF ankündigen, nach Hause zu fahren. „Wir könnten es noch mal bei den Bachstelzen probieren“, sage ich in den Lärm, aber PF schüttelt den Kopf und Julien sagt betreten: „Sinnlos.“ Eigentlich wollten wir ja gleich nach Bastis Abschiedsparty zu den Bachstelzen und sind deshalb frierend quer durch Kreuzberg gelaufen. Aber dort standen sich all die Partygänger die Beine in den Bauch und weil wir keinen Türsteher kannten und auch keinen DJ oder sonst irgendwen, der wichtig genug gewesen wäre, um uns einfach durchzuwinken, sind wir zum West Germany gegangen und haben an den verschlossenen Türen gerüttelt. Umsonst, die Party war schon längst weitergezogen. Jetzt sitze ich im Monarch, gegenüber der getäfelten Wand, trinke Bier und denke darüber nach, wie es wäre, in Kreuzberg zu wohnen, während meine Freunde finden, es wäre längst Zeit zu gehen.

Früher haben wir jeweils ganze Jahrhunderte durchgestanden. Wir haben die Nacht zum Tag gemacht – und wenn der Vorrat reichte – den darauffolgenden Tag zur Nacht. So könnte es auch heute sein, aber aus irgendeinem Grund sind die Beine lahm geworden und Kopf schwer und dumpf. Phil meint immer, das liege am Jahreszeitenwechsel, vielleicht hat er ja recht und es liegt nur am Schneegestöber im Lichtkegel des Taxis, welches uns lautlos nach Hause bringt. „Wir könnten ins Zu Mir und zu Dir gehen, auf einen Absacker- Drink“, sage ich zu Dave. Er nickt und wir vollbringen einen letzten Kraftakt, steigen an der Ecke Eberswalder aus und stapfen die Lychenerstrasse hoch. „Ich habe keine Ahnung, was ich nach meinem Studium tun soll“, sagt Dave kurz darauf mit einen White Russian in der Hand. „Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass wir alle furchtbar verwöhnt sind. Uns ging es immer zu gut. Darum mussten wir uns nie für irgendetwas Richtiges entscheiden.“ Ich nicke so halb als Elsa, die ein bisschen später kam und lauter schwere Flocken im Haar hat, ankündigt, nach Paris zurückkehren zu wollen. „Es zerreißt mir das Herz, Berlin zu verlassen. Aber ich will aus meinem Leben noch irgendetwas machen.“ Vielleicht, sagt sie dann noch, bräuchten wir alle einen Tritt in den Hintern, eher wir uns endlich bewegen würden. Und zu mir: „Eigentlich finde ich es schade, dass du dich so gehen lässt.“

Ich betrachte mein Glas voller träge schwimmender Eiswürfel und sehe, wie sich die Leute ihre Mäntel überziehen. Ein Typ mit langen Haaren kommt auf uns zu, geht in die Hocke und sagt: „Leute, wir machen Schluss.“  Und als wir in die klirrende Kälte treten ist sie zurück, die unbestimmte Melancholie. Vielleicht, denke ich, bin ich tatsächlich dabei, ein Stück meines Lebens zu verpassen. Oder Phil hat recht und es ist nur der Schnee auf der Schönhauserallee.

Wir aus dem Westen

November 15th, 2007

Ich sitze in meiner Küche an der Schönhauserallee und esse argentinisches Rindfleisch. Das Zeug ist 100% Natura und stammt von garantiert glücklichen Viechern, die drei Mal pro Tag mit irgendwelchen Ölen eingerieben werden und nur Bio – Gras zu fressen kriegen. Dazu gibt es Pasta mit einer hausgemachten Tomatensauce und später noch ein Glas Multivitaminsaft. Danach sehe ich mir gemeinsam mit Julien so einen französischen Studiofilm an, in dem alle Protagonisten die ganze Zeit Foie Gras aus handgetöpferten Lehmbehältern in sich reinstopfen und gleichzeitig ihre Frauen betrügen. Während der Film läuft werde ich dann doch ein wenig schwach und rauche eine Zigarette, bereue dies aber gleich wieder. Um 00:45 finde ich dann, es wäre langsam Zeit ins Bett zu gehen, schlüpfe in meine frisch gewaschene Baumwolle – Bettwäsche und lese ein halbes Kapitel in einem Buch von Rüdiger Safranski. Danach schlafe ich ein.

Ich gebe es ja zu, ich lebe mitten im Getto der Öko – Digital – Boheme – Nomenklatura Deutschlands. Im Prenzlauer Berg gibt es den größten Bio – Supermarkt Europas, übermäßig viele junge Frauen mit geländetauglichen Kinderwagen und geländeuntauglichen Fahrrädern sowie eine ganze Menge Second – Hand – Läden, in denen ein Nierentisch aus Hartplastik 500 Euro kostet. Die Leute fahren erst um neun zur Arbeit und auf der Kastanienallee kommt der Milchkaffee im Wasserglas und heißt dann Latte Macchiato. Es gibt hier wenige Türken, dafür umso mehr Franzosen und Italiener. Und an der Eberswalderstrasse konnte man bis vor kurzen einen Bio – Döner kaufen. So weit so gut. Aber lässt sich deswegen ein ganzer Stadtbezirk unter dem Schlagwort Neo – Biedermeier zum Problemfall erklären? Für die Zeit offenbar schon. Das Hamburger Wochenblatt ortet zwischen Torstrasse und Kollwitzplatz nichts anderes als Pornobrillenträger, Öko – Schwaben und hysterische Mütter, die zwischen Yoga, überteuerten Altbauwohnungen und vagen, arbeitsähnlichen Nachmittagsbeschäftigungen eine keim- und konfliktfreie Selbstverwirklichung betreiben. Das mag bis zu einem gewissen Grade durchaus stimmen und ich bin ja der erste, der sich darüber lustig macht. Aber was verdammt noch mal soll daran so schlimm sein? Und überhaupt? Was wäre Berlin ohne den fürchterlichen Prenzlauer Berg?

Man kann über die Attraktivität der Tangente Mitte/Prenzlauer Berg ruhig geteilter Meinung sein. Vielleicht sind die Strassen nicht dreckig genug und es gibt zu wenige Gammelfleisch – Döner. Eines hingegen ist unumstritten: die viel gescholtene Schickimicki – Boheme hat Berlin für Außenstehende zum ersten Mal seit langem wieder attraktiv gemacht. Denn hier liegen die Galerien der ganzen New Yorker Exilkünstler, die vor der lustfeindlichen Politik ihrer Stadt nach Übersee geflohen sind. Hier hat Hedi Silmane den Heroin- Chic erfunden und nicht etwa in Lichterfelde-Ost. Früher war das anders. Ich kann mich an die Fernsehbilder vom Mauerfall oder von der Weltmeisterschaft 1990 erinnern. Die Leute, die sich da in den Armen lagen, sahen alle gleich aus, egal ob sie nun aus dem Osten oder dem Westen stammten. Sie trugen die Jeans bis über den Bauchnabel, hatten bunte Windjacken an und die gleichen Frisuren wie Rudi Völler. Dazu sang ein schauspielernder Bademeister aus Amerika „I am looking for Freedom.“ Will irgendwer da hin zurück? Ich bestimmt nicht. Und da bin ich sicherlich nicht der einzige. „Als ich meiner Mutter erzählt habe, dass ich nach Berlin ziehen werde, hat sie mich angeguckt, als würde ich mich freiwillig in ein osteuropäisches Umerziehungslager einweisen lassen“, sagte Julien einmal. Inzwischen hat sich diese Sichtweise radikal geändert. Berlin ist für viele Europäer zu einer vielleicht etwas naiven, realitätsfernen aber umso aufregenderen Utopie gworden. Zu einer Stadt, in der man leben möchte. Und das ganz bestimmt nicht wegen Bushido, der Neuköllner Rütli – Schule oder dem Aldi – Supermarkt in Wedding.

In den übrigen europäischen Metropolen hat man offenbar keine solchen Probleme. Julien beispielsweise, bezeichnet sich selbst als Pariser, obwohl er eigentlich in der Nordfranzösischen Provinz aufgewachsen ist. In Berlin wäre so etwas ein Sakrileg. Hier bleibt ein Zugezogener für immer ein Zugezogener, Punkt. Aber mal ehrlich, was wäre diese Stadt ohne all die Öko – Schwaben, die westdeutschen Provinzler oder die Easy- Jet – Ladungen voller Franzosen, Spanier und Engländer, die mit rauchenden Köpfen und kribbelnden Fingern voller Tatendrang in Schönefeld auf dem Bahnsteig stehen? Vermutlich nicht viel mehr als eine weitere ostdeutsche Stadt mit Männerüberschuss, zwanzig Prozent Arbeitslosigkeit und leeren Kassen. Wer das möchte, kann uns ruhig zum Teufel jagen. Und ach ja, bevor ich es vergesse. Die Steaks hat Julien übrigens beim Ulrich gekauft. Und zwar drüben, im Westen.

Stille Tage in Bern

October 30th, 2007

Ich sitze in der Transitlounge des internationalen Flughafens von Kopenhagen und warte auf meinen Anschlussflug nach Zürich. Diese Transitlounges sehen überall auf der Welt genau gleich aus: es gibt Sofas aus Kunstleder, große Flachbildschirme mit nervösen Dauernachrichtensendungen und überall hocken Geschäftsleute in bieder geschnittenen Stangenanzügen. Weil es nichts zu tun gibt, lese ich in einer Ausgabe der Herald Tribune, die mir eine hochgewachsene, blonde Stewardess der Scandinavian Airways mit einem kühlen Lächeln in die Hand gedrückt hat. Gleich auf der ersten Seite stoße ich auf einen Artikel über die Parlamentswahlen in der Schweiz. Offenbar muss es um die Schweiz furchtbar schlimm stehen – ansonsten würde wohl keine amerikanische Zeitung jemals einen eidgenössischen Urnengang auf der Frontseite abhandeln. Normalerweise gilt der Alpenstaat jenseits des Atlantiks bloß als Schokolade produzierende Privatbank – wenn er nicht gerade mit Schweden verwechselt wird. Dem Wahlkampf sei dank ist das jetzt nicht mehr so. Denn die Bilder von brennenden Barrikaden und rassistischen Plakaten haben offenbar Spuren hinterlassen und selbst der bärtige Produktionsleiter in meiner Firma, der sich sonst jeden Morgen spaßeshalber nach dem Stand meines Nummernkontos erkundigt, fragte nach den Krawallen in Bern vor drei Wochen voller Betroffenheit, ob es denn meiner Familie auch gut ginge, – „nach all dem was da unten passiert.“ Ich habe beschwichtigend genickt und mich nachher fast ein bisschen gefühlt, als käme ich aus Nordirland.

Gegen zehn Uhr Abends lande ich endlich in Zürich, der Flughafen dort ist genauso leer wie der Spätzug Richtung Bern. Draußen liegt der Aargau in der Dunkelheit, Städte wie Lenzburg oder Olten, matt beleuchtete Monumente der Durchschnittlichkeit, des absoluten Mittelmasses mit ihren Einfamilienhaussiedlungen, Supermärkten und Vorortsbahnhöfen. Alles andere als die Kulisse für einen Bürgerkrieg, denke ich. Und überhaupt: wird hier nicht einfach nur übertrieben? Die Schweiz wird seit über fünfzig Jahren von einer Vierparteienkoalition regiert, wobei Regieren hier eher Verwalten gleich kommt, denn in den wirklich wichtigen Fragen entscheidet jeweils das Volk. Und um dieses zu überzeugen, braucht man mehr als nur eine paar zusätzliche Sitze im Parlament. „Der große Rechtsruck ist ausgeblieben“, staunt denn auch die Herald Tribune, nachdem die rechtgerichtete Schweizerische Volkspartei anstatt gleich das ganze Land zu überrollen, bloß ein paar Prozentpunkte dazugewonnen hat und nun bei rund 29 Prozent der Stimmen steht. Würde beispielsweise die deutsche SPD jemals so ein Ergebnis einfahren, dann könnte sich Kurt Beck gleich als erster über die von geforderte Frührente freuen. In der Schweiz gibt es keine absolute Mehrheiten und auch kein schwarz oder weiß, dafür aber ein fein abgestuftes Grau. Diese Besonderheit ist für Außenstehende nicht leicht zu verstehen und bedarf der genaueren Betrachtung. Den meisten Korrespondenten der großen ausländischen Medien war das offenbar zu kompliziert. Sie reproduzierten stattdessen den Unsinn vom rückständigen, rassistischen Alpenvolk und taten so als stünde mit Christoph Blocher ein zweiter Adolf Hitler Gewehr bei Fuß. Jetzt wundern sie sich, dass die düster vorhergesagte, braune Machtübernahme offenbar doch nicht stattgefunden hat.

Die nächsten Tage verbringe ich in Bern. Die Stadt schläft wie immer und gibt ein pittoreskes Bild ab: schwere Sandsteinfassaden ragen in den Hochnebel, der sich in Wintertagen jedes Mal über das schweizerische Mitteland legt. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich das Gymnasium besucht und von hier wollte ich immer weg. Wenn du in deine Heimatstadt zurückkehrst, denke ich, dann ist das wie wenn du dir eine deiner alten Platten wieder anhörst: du weißt eigentlich ganz genau, weshalb du sie vor langer Zeit in irgendeinem Wandschrank entsorgt hast und bist trotzdem irgendwie berührt. Die Erinnerung ist eine äußerst irrationale Sache, man kann sie sich weder aussuchen noch steuern und als ich gemeinsam mit Dave in einer der wenigen Bars unten in der Altstadt sitze und Bloody Mary trinke, denke ich dass ich hier trotz allem ein wenig zu Hause bin. Ich frage Dave ob er gewählt hat, er verneint. „Ich wusste ja nicht wen. Die SVP widert mich mit ihrem Populismus an, die Sozialdemokraten sind weinerliche Versager und die ganzen Liberalen sehen aus wie nichtssagende Versicherungsvertreter. Furchtbar aber wahr.“ Dann ruft der Barmann „letzte Runde“, es ist kurz nach Zwei und ich denke an ein Zitat von Kuno Lauener, dem Leadsänger der größten Berner Rockband aller Zeiten, Züri West. Auf die Frage, weshalb so viele Bands aus Bern kämen, hat er geantwortet, in einer Stadt, in der um halb eins die Bürgersteige hochgeklappt werden, bliebe einem nichts anderes übrig als nach Hause zu fahren und Songs zu schreiben.

Als ich Bern mit dem Mittagszug Richtung Frankreich verlasse, ist das Wetter besser geworden. Bei Kriegstetten bricht die Sonne durch die Wolkendecke und taucht die dunkelgrünen Jurahänge in ein weiches Licht. Dieses Land ist ein zynisches, kleines Monster, denke ich. Mal umarmt es dich, mal stößt es dich von sich. Bevor ich in Basel durch den Zoll gehe, rauch eich eine letzte Zigarette auf dem Bahnhofsvorplatz. Gleich gegenüber, neben der Filiale des amerikanischen Schnellrestaurants Mc Donalds steht eine Plakatwand mit dem umstrittenen Wahlplakat der SVP. Jemand hat „Nazis raus“ über das Sujet mit den weißen und schwarzen Schafen geschrieben. Gleich daneben hängt ein Poster der schweizerischen Fremdenverkehrszentrale. Darauf steht: „Welcome to Switzerland.“

Wochenende in Berlin

October 15th, 2007

Und dann rollt wieder so ein Wochenende an. Eigentlich läuft es immer gleich ab: ich sitze vor dem winzigen Fernseher in der Ecke meines Zimmers und sehe mir die ARD-Sportschau an, wo irgendwelche Leute aus westdeutschen Kleinstädten bei der Wahl zum „Tor der Woche“ einen Toyota Auris gewinnen, während Julien drüben seinen Rausch vom Freitagabend ausschläft. Draußen werden die Tage kürze und kälter und durch meine weißen Vorhänge dringt ab vier Uhr nachmittags nur noch blassblaues Dämmerlicht. Irgendwann holt mich die Türklingel aus meinem TV-Halbschlaf, ein paar Freunde haben Wein und Wodka mitgebracht, wir sitzen dann im Wohnzimmer, trinken selbstgemachte Cocktails und reden dummes Zeug. Die Zeit verstreicht langsam und zäh und weil es eigentlich wenig Neues zu erzählen gibt, wärmen wir alte Geschichten auf und erzählen immergleiche Witze. Um halb zwölf kommt PF und Julien sagt: „Wir wollen nichts kaufen, Hausierer unerwünscht“ oder „Passt auf eure Mobiltelefone auf, der Zigeuner ist da.“ PF kontert, indem er sich laut über sein Schicksal beklagt, welches ihm ach so ignorante und ungebildete Freunde wie uns beschert habe. „Irgendwann“, sagt er, „wenn ich reich und berühmt bin, werde ich mich mit einer Mischung aus Ekel und Mitleid an euch erinnern.“

Julien spielt etwas Elektropop auf seinem Computer und lässt die Flügeltüre offen, die sein Zimmer vom Salon trennt. Die Stereoanlage haben wir letzte Woche an Lucy zurückgegeben, da diese die ihrige an Phil zurückgegeben hatte, nachdem Phil bei ihr ausgezogen war, aber das ist eine andere Geschichte, die gehört nicht hier her. Jedenfalls haben wir keine Stereoanlage mehr und Julien dreht jetzt die Aktivboxen an seinem Computer auf, aber dass soll sich alles ändern, irgendwann, wenn einer von uns sich aufrappelt und zu den Türken im Wedding fährt und dort ein gebrauchtes Gerät kauft. Bis dahin geht alles weiter wie bisher: wir schlagen uns mehr schlecht als recht durch, leben auf Pump, ignorieren die offenen Rechnungen, die in schöner Regelmäßigkeit im Briefkasten landen. „Vergiss nicht, am Montag die Typen von der Gasfirma anzurufen, damit sie endlich jemanden vorbeischicken, der den Boiler repariert“, sagt Julien, bevor wir uns auf den Weg ins Dr. Pong machen. „Damit wir endlich wieder warm duschen können.“ – „Kennst du das Gefühl, dass dir alles entgleitet?“, frage ich mich daraufhin selbst und fühle wieder dieses Unwohlsein tief innen im Bauch, das ich immer dann spüre, wenn ich weiß, dass ich die Dinge, die ich eigentlich jetzt tun sollte mit geschlossenen Augen auf Übermorgen verschiebe.

Später, im Dr. Pong, ist dieses Gefühl bereits viel schwächer geworden, und als wir dann gefühlte Lichtjahre später in einem Taxi durchs herbstliche Berlin fahren, von einer Party zur nächsten, mitten in dem luftleeren Raum zwischen Gestern und Morgen, dieser euphorisierenden Grauzone zwischen Tag und Nacht, in der es keine Vergangenheit und auch keine Zukunft gibt, da ist es völlig verschwunden und ich lächle freudig vor mich hin, während der Taxifahrer langsam mit den Kopf wackelt, immer im Takt eines Popsongs, dessen Namen ich inzwischen längst wieder vergessen habe. Dann fängt das Tanzen wieder an, denn eigentlich ist das ganze Wochenende ja ein einziger Tanz. PF legt eine wunderbare Pirouette hin, als er uns am Eingang eines Clubs auf die Gästeliste redet, er nennt einfach ein paar Namen und winkt wichtig mit den Armen; wir kommen rein und drinnen sind die Leute glücklich und schön, sie trinken bunte Drinks aus hohen Gläsern und tragen Kleider wie die Darsteller aus „Zurück in die Zukunft“. Ein Mädchen hat Geburtstag und nimmt mich beim Arm, ich gehe auf Watte und die Musik ist plötzlich ganz weit weg, sie wird immer leiser, verschwindet schließlich ganz. Vielleicht bin ich jetzt im Himmel, denke ich, stelle dann aber fest, dass ich mich viel zu früh gefreut habe, denn plötzlich ist der Lärm wieder da und ich lehne an einer gekachelten Wand und warte, dass eine Klokabine frei wird. Aber die Leute da drinnen nehmen Drogen oder haben Sex und kümmern sich einen Dreck um die Dinge, die sie umgeben. Sie gehen an dir vorbei, als existiertest du nicht und blicken durch dich hindurch, mit weitaufgerissenen Augen und Schweißperlen auf der Stirn. Es sind Augenblicke der totalen Einsamkeit und du weißt überhaupt nicht, wie du mit der schwindenden Euphorie umgehen sollst. Du schließt einfach die Augen und wartest darauf, dass alles vorbei geht.

Und dann ist wirklich alles vorbei, das Wochenende rollt langsam aus, kommt sanft zum stehen, irgendwo zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg, in einer beinahe leeren Straßenbahn. Sascha, der DJ sitzt auf einem grau lackierten Sicherungskasten und spielt ein Lied von France Gall auf seinem Handy, während die anderen im schmutzigen Stoff der Sitze vor sich hindösen. Draußen liegen leere Straßenzüge und das Licht ist blass und grau, so wie immer im Herbst. “Wenn du arbeitest”, denke ich, kurz bevor ich an der Haltestelle Eberswalderstrasse aussteige, “verbringst du die meiste Zeit deines Lebens damit, auf das Wochenende zu warten.” Du freust dich darauf wie ein kleines Kind, obwohl du genau weißt, dass du damit die Erwartungen ins Unendliche schraubst und im Endeffekt dann bloß enttäuscht werden wirst. Aber das macht nichts, denn das nächste Wochenende kommt ja bestimmt.

Rollkragen im Weltall

August 28th, 2007

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“Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen.“ So fängt es immer an. Weil heute Samstagabend ist und man um acht Uhr eigentlich noch nicht weggehen kann, schaue ich fern und lande dabei unversehens auf der TV-Resterampe von Kabel 1 wo gerade eine Star-Trek – Retrospektive läuft. Will heissen: naive Geschichten, viel Gerede über Beamen und Warp (?) und lauter Leute, die, wenn ihr Raumschiff unter Beschuss steht, komisch mit dem Oberkörper hin- und herwackeln. Die Sechzigerjahre, denke ich, waren – zumindest rückblickend betrachtet – eine tolle Zeit: Autos durften noch wie Autos aussehen anstatt wie überdimensionierte Flusssteine und wer „Zukunft“ sagte, meinte damit Wohlstand und Fortschritt und nicht etwa Klimawandel und Terror. Logisch, dass ein Raumschiff damals gar nicht anders aussehen konnte, als die Enterprise: ein stromlinienförmiger, optimistisch weiß lackiert Designerteller, mit einer Kommandobrücke wie einer Cocktaillounge aus den späten Neunzigerjahren, der durch die unendliche Weiten eines Pappmaché – Weltalls saust. Ein Stück klinische Sauberkeit voll rührenden Pop-Art-Charme aus einer Zeit des naiven Fortschrittsglaubens, ehe dann in der Post- Vietnam – Ära nur noch dreckverschmierte Mülltonnen (Ridley Scott) oder infantile Spielzeugflieger (George Lucas) in die Schwerelosigkeit entlassen wurden.

Julien, der mir ein kühles Bier in die Hand drückt, hält das alles natürlich für Weltraumschrott, aber ich halte dagegen. „Nein“, erwidere ich, „Raumschiff Enterprise ist ein Stück ästhetischer Vollkommenheit. Schau dir nur mal die Uniformen an.“ Tatsächlich tragen die weiblichen Besatzungsmitglieder Stiefeletten und enganliegende Cocktailkleider, während ihre männlichen Kollegen nur im Rollkragenpulli von Bord gehen. So was hat man seit Jahren nicht mehr gesehen und neben den Strampelanzügen und Jean- Paul- Gaultier- trifft- Hare Krischna – Büßergewändern, mit denen die Protagonisten neuerer Science Fiction – Produktionen bedeutungsschwanger durch irgendwelche computergenerierte Endzeit – Fantasialänder stolpern, wirken Kirk und Co wie die letzten Überlebenden des Planète Style. Überhaupt hat die Crew der Enterprise mit den pathetisch daherschwafelnden Hippies des Neo- Star- Wars- Matrix- Universums wenig gemeinsam: Kapitän Kirk ist ein leicht neurotischer Homme à Femmes mit Hang zur Befehlsverweigerung, Spock, seines Zeichens erster Offizier und einziger Nicht-Mensch an Bord, gibt den spitzohrigen, ultrarationalen Schiffs – Homo- Faber, der mit dem Skeptiker und Chefarzt Leonard „Pille“ McCoy stets wegen der großen Zukunftsfragen der Menschheit (rationaler Zukunftsoptimismus versus Zivilisationskritik) über Kreuz liegt. Scotty, der gutmütige Boardmechaniker, verkörpert den Nerd aus der Prä – PC- Ära und Han Solo schließlich, gibt den Quotenasiaten zu einer Zeit, als die Chinesen noch mit dem Rezitieren von Mao – Zitaten beschäftigt waren, anstatt sich mit Elektronikkram auseinander zu setzen.

Aber auch jenseits der kühlen Ästhetik hat die vom ehemaligen Bomberpiloten Gene Roddenberry erfundene Serie Fernsehgeschichte geschrieben. Das Raumschiff Enterprise hatte bereits 1966 mit dem fliegenden Diana-Ross-Verschnitt Lieutnant Uhura eine schwarze Frau als Offizierin an Bord. Mehr noch: unter Kirks Kommando fand auch Amerikas erster Filmkuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen statt – ein für damalige Verhältnisse ungeheuerliches Vorkommnis. Entsprechend waren auch die Reaktionen: die konservativen Südstaatler liefen Sturm, während Martin Luther King die Serie fortan als humanistische Errungenschaft pries. Die gemischtrassische Besatzung der Enterprise stieß aber auch anderswo in unbekannte Welten vor. Mitten im Kalten Krieg tauchte mit dem Navigator Pavel Chekov sogar ein Russe an Bord des Schiffes auf. Seine Berufung in die Crew verdankt er angeblich einer Beschwerde aus der Raumfahrtnation der ersten Stunde: der Sowjetunion. Moskau hatte sich in einem Artikel in der KPdSU – Postille Prawda offenbar darüber echauffiert, dass in der Vielvölkermannschaft der Enterprise kein einziger Slawe vertreten sei. Mit Erfolg: von nun an sorgte der stets patriotische Genosse Chekov („Unsinn, Scotch wurde von einer alten Frau in Leningrad erfunden“) für politisches Tauwetter im Weltall.

Dann ist Schluss. Ich sehe den Star Trek Film nicht bis zu Ende, schalte stattdessen den Fernseher aus und gehe rüber ins Wohnzimmer, wo Julien unseren Gästen Roséwein einschenkt. Während wir ein Lied von Jefferson Airplane hören, denke ich daran, dass der libertäre Geist im All längst passé ist. Die unzähligen Nachfolgeserien zur Enterprise sind im wabernden Esoteriksumpf aus gutturalen Lauten und güldenen Schärpen zur Bedeutungslosigkeit verkommen,  – was vorzüglich in die zunehmend lustfeindlichen Jahre des neuen Jahrtausends passt. Rauchfreie Bars? Zwölf Euro für ein Glas Bier? Was um Himmels Willen soll das alles? Kapitän Kirk hätte sich vermutlich zurückgelehnt, spöttisch gelächelt und etwas Scotch getrunken. „Ich bin sicher, der Mann hat in seinem Raumschiff gekifft“, sage ich auf der Taxifahrt ins Picknick, aber niemand gibt mir eine Antwort. Stunden später tanzen wir zum schnellen Schlag der Musik und ich sage leise, beinahe zu mir selbst: nein, ich lasse mir meine Freiheit nicht nehmen. Jemand hält ein kleines Tütchen in die Höhe und ruft: „Wir sind glücklich“. Ich schließe meine Augen und sehe nur noch tausende kleiner Sterne. Ich weiß was das bedeutet: Berlin, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2007. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Milligramm schweren Besatzung fünf Stunden lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen. Beam me up, Scotty!

Campari Soda

August 21st, 2007

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Es ist Freitag und ich bestelle Campari Soda. Weit unter mir liegt das Wolkenmeer, weiß und flach wie ein Eisfeld, während oben die strahlende Sonne langsam untergeht. Mein Rückflug hat über eine Stunde Verspätung und ich habe die letzte Ausgabe des Vanity Fair bereits in der Bar des Flugplatzes überflogen. Nun sitze ich untätig da und blicke durch ein ovales Fenster nach draussen. Der Himmel wird jetzt gegen oben hin immer dunkler und wenn ich mich ein wenig nach vorne beuge, kann einen der beiden Motoren sehen. Doch die Propellerblätter drehen sich viel zu schnell um für das menschliche Auge sichtbar zu sein und bilden daher nur noch eine Art kreisrunden Wirbel, den ein dünner, silbern glänzender Rand vom Abendhimmel trennt. Hin und wieder gibt es kleine Turbulenzen und dann schwankt das Flugzeug in der Luft.

Es ist Freitag und hinter mir, weit unten, wo sie jetzt die Straßenlaternen einschalten, liegt Süddeutschland. Die Leute dort haben mich angestarrt wie einen Ausserirdischen, als ich vorfuhr, aber der Typ am Friedsrichshafener Flughafen hatte mir auch nicht gerade ein besonders diskretes Fahrzeug zugeteilt. In dem schneeweißen Audi TT kam ich mir vor wie ein Kokaindealer aus Miami – Vice. Auf dem Rückweg hielt ich trotzdem mehrmals an, denn da war diese Kirche, Barock natürlich, Fassaden aus Zuckerguss und Dächer aus Gold, im Hintergrund Rebberge und die blaue Fläche des Sees. Ich mag Kirchen, denn ihre steinernen Mauern versprechen stets eine stabile, glückliche Zukunft. Ob sie ihr Versprechen auch halten, ist eine andere Frage. Wenn ich eines Tages heiraten werde, dann hier, denke ich, während ich schnellen Schrittes über Kies gehe und in den Wagen steige. „Tut mir leid, aber Campari haben wir keinen“, sagt die Stewardess und lächelt kühl. Ich antworte, das mache überhaupt nichts und bestelle stattdessen Gin Tonic. Ich bin volkommen ruhig, denn ich weiß genau, was kommen wird.

Es ist Samstag und ich trinke Gin Tonic, als sich plötzlich ein Mädchen nackt auszieht und in ein aufblasbares Kinderschwimmbecken aus Plastik steigt. Das Mädchen winkt mit den Armen und macht die ganze Zeit uhh- uhh. Etwas Wasser schwappt über den Beckenrand, die Leute treten ein wenig zurück und betrachten die Szene mit einer Mischung aus Befremden und Amüsement. „Das ist Berlin“, sagt Dave zu einer der beiden Französinnen. Die Französinnen schütteln die Köpfe und fangen dann an zu lachen. Offenbar finden sie das alles sehr witzig – was allerdings keineswegs erstaunt. Schließlich darf man Berlin inzwischen getrost als eine Art Vergnügungspark bezeichnen. Da wird einem alles geboten: achtundvierzig Stunden Party am Stück, ein unendliches Stück Musik zu dem du tanzt und die Augen weit aufgerissen, weil der Schnee aus den Anden deine Sinne betäubt. „Ich habe ein richtiges Vergnügungsset gekauft. Da ist alles drin was du brauchst, um die Höhen und Tiefen der Nacht sicher zu überstehen“, sagt Julien, ballt seine faust um ein Säckchen aus durchsichtigem Plastik und geht zu den Dixie – Klos nach hinten.

Dabei ist beinahe immer noch Samstag, kurz nach Mitternacht und der Faden meiner Biographie wird erst viel später reißen. Dann aber dafür richtig. Wir tanzen zum Takt der Musik, ein Dealer will einer der beiden Französinnen Pillen verkaufen und fragt sie, als sie dankend ablehnt, mit rührender Ernsthaftigkeit, in welchen Pornofilmen sie denn mitgespielt habe. „So was ist doch ein Kompliment“, sagt Julien, der sich einem Schneepflug gleich durch die Nacht wühlt und dessen Wahrnehmung dementsprechend getrübt ist. Später, als es schon hell wird, liege ich unter einer Art improvisiertem Zeltdach und klappe Miris kleinen Taschenspiegel zu. Ich will mein Gesicht nicht sehen. Nicht jetzt. Die Leute um mich herum tragen Sonnenbrillen und das Mädchen von vorhin hat sich längst wieder angezogen. Das ist auch gut so, denn wir erwarten weder Sex noch Liebe. Ein paar Stunden Vergnügen reichen völlig aus und wir sind seelisch und körperlich völlig erschöpft. Eigentlich ein trauriger Zustand, aber die Trauer ist ein gefühl und Dinge wie Gefühle sind sehr, sehr weit weg. Ich will den Ort hier verlassen und denke darüber nach, mich irgendwo an die Spree zu setzen und einen Cuba Libre zu trinken. Oder einen White Russian.

Es ist Sonntag und ich betrachte die Eiswürfel in meinem Glas, die träge in der weißen Flüssigkeit schwimmen. Julien fragt, ob ich etwas zum Wachmachen dabei hätte, aber ich schüttle bloß den Kopf. Im Zu mir oder zu Dir legt der DJ sanften Pop auf und die Mädchen kaufen Space – Cakes. „Ich glaube, in unserem Zustand könnte der Typ uns sogar eine ganz normale Gurke verkaufen“, sagt Dave. „Er müsste bloß draufschreiben, dass es sich dabei um Drogen handelt.“ Wir sind wie Pawlowsche Hunde. Das Wochenende liegt im Sterben aber wir wollen das irgendwie nicht wahrhaben, versuchen, den Ritualen mit aller Macht noch einmal Leben einzuhauchen und der immer wiederkehrenden Normalität die golden glänzende Haube des Besonderen aufzusetzen. Manchmal gelingt es uns, manchmal nicht. Heute war ein guter Tag und als ich spätabends aus dem warmen Lichtermeer des Zu Mir oder zu Dir auf die regennasse Strasse trete, versuche ich möglichst nicht an morgen zu denken. Und auch nicht an all die Tage und Wochen danach. Denn ich weiß was kommen wird. Unter mir, so wird es heissen, liegen die Lichter von Berlin, der Kapitän sagt: „Wir erreichen in Kürze den Flughafen Tempelhof“, es ist Freitag und ich glaube ich bestelle noch etwas Campari Soda.

Dog Day Afternoon

August 14th, 2007

Als ich in die Bar 25 komme, habe ich bereits ein paar Stunden in diesem improvisierten Club an der Warschauerstrasse hinter mir. Um da rein zu gelangen, musste man erst durch einen Dönerladen, vorbei an den beschlagenen Auslagen voller Haloumi und Mekanek und schließlich die Treppe runter, die in solchen Läden normalerweise zum Klo führt. Unten ging es erst ins Freie, dann durch etwas Dickicht in Richtung Spreeufer, bis irgendwann lauter wartende Menschen auftauchten. Weil Sascha, der DJ, in der kommenden Woche hier auflegen wird, standen wir auf der Gästeliste und kamen ohne Probleme rein. Das Donnergrollen kam näher und in dem zweistöckigen Bunker schlug mir schließlich der Bass um die Ohren. An Berliner Untergrund-Partys dürfen ein paar Dinge nicht fehlen, denke ich: knisternde Soundanlagen, schwitzende Leute und jede Menge Wasserflaschen. Ein Mädchen, das leider nicht besonders schön war, klammerte sich an meinen Unterarm und fragte mich irgendetwas sinnloses, aber ich hielt den Kopf hoch oben und ging nach draußen um eine Zigarette zu rauchen.

Als ich in die Bar 25 komme, glaube ich, den härtesten Teil bereits hinter mir zu haben, nachdem Julien in Harakiri – Manier ein Taxi angehalten hatte. Er rannte einfach auf die Strasse, mit weitaufgerissenen Augen und pochenden Lungen. Irgend so ein spanisches Mädchen hatte ihn nett gefunden und ihm ein kleines Tütchen mit künstlichem Beschleuniger hingehalten. Er hatte daraufhin seinen nassen Finger reingesteckt und das Zeug nachher abgeleckt. Seither dreht er sich viel schneller als wir und sieht die Welt wie aus einem Intercity Express. Das alles kommt in Wellen über uns und zum Zeichen, dass ich verstanden habe, hebe ich die rechte Hand und tue so, als würde ich einen imaginären Klingelknopf drücken. Immer wieder, ohne Unterbruch, denn der flirrende Bass der Musik drängt mich dazu. Der DJ ist ein Kanonier, der uns mit rasenden Soundpartikeln beschießt und wenn wir uns nicht im Takte seiner Salven bewegen, dann bringt uns der Beschuss ins Grab. Ich weiß um die Gefahr, darum schließe ich meine Augen, sobald uns das Taxi ausgespuckt hat.

Als ich sie wieder aufmache, bin ich immer noch in der Bar 25 und ein Mädchen spricht zu mir, auf Englisch. Ich weiß nicht was sie sagt, denn sie redet furchtbar schnell und auch etwas undeutlich. Als ich sie frage, ob sie Drogen genommen habe, nickt sie kurz und sagt dann: „Eine halbe“. „Willst du mehr?“, frage ich, obwohl ich gar keine Drogen besitze, aber sie schüttelt den Kopf. „We are working“, sagt sie noch. Ich will wissen, was das zu bedeuten hat, aber sie will nicht antworten, legt stattdessen ihren Kopf gegen meine Schulter. „What are you doing?“ Sie sagt erst nichts, sieht sich um, löst sich von mir und meint, sie wäre aus London hergeschickt worden, um nach neuen Trends Ausschau zu halten.  Kurz darauf ist sie verschwunden und ich starre ins braune Wasser der Spree. Neue Trends? Ich sehe bloß Menschen mit Gesichtern aus zerknittertem Papier, die, Sklaven gleich, immer weiter tanzen, – selbst wenn dieses Tanzen im Grunde genommen nichts anderes mehr ist, als ein sterbendes Wanken. Die Überlebenden der Nacht sehen alles andere als glorreich aus. Vielleicht sollte ich irgendwann nach Hause gehen.

Aber ich gehe nicht nach Hause. Ganz im Gegenteil, ich trinke Gin Tonic und rauche eine Zigarette nach der anderen, ganz so, als stünde mir eine glorreiche Nacht bevor. Dabei ist bereits Sonntagnachmittag und der Himmel über Berlin bedeckt. Jane, das Mädchen aus Glasgow erzählt von zu Hause und sagt, dass dort alle Ketamin nehmen würden. Ich weiß nicht, wie Ketamin wirkt und frage sie, ob das gut sei, aber sie sagt, sie selber nehme keine Drogen. „Dabei nehmen alle meine Freunde. Und nicht nur das. Alle nehmen. Vor den Klubs warten die Bullen mit Hunden, so schlimm ist es geworden. Manchmal sterben die Leute auf der Tanzfläche. Aber irgendwie geht es immer weiter und keiner hört auf, sich die Fresse zuzupudern. Bis diese ganze Scheisse irgendwann mal hochgeht.“  Denn irgendwann, findet Jane dann noch, würde irgendetwas Schlimmes passieren. „Irgendetwas schlimmes, damit alle aufhören.“

Als ich die Bar 25 endlich verlassen will, ist zwei Uhr Nachmittags und ein sehr, sehr junger Österreicher fragt mich nach Heroin. Aber ich habe keins und will auch gar keines besitzen. Ich sitze dann in der U-Bahn, zwischen den gleichgültigen Gesichtern der Touristen, den hängenden Blicken der Alkoholiker und denke an gar nichts. Als ich Stunde später aufwache, sagt Julien, dass Phil verschwunden sei. „Einfach so, ohne Spuren zu hinterlassen.“ Als er auch am Montagnachmittag noch nicht aufgetaucht ist, fange ich an, mir Sorgen zu machen, obwohl es eigentlich gar keinen Grund dazu gibt. „ Der ist doch mit einem Mädchen durchgebrannt“, sagt Julien und zündet sich einen Joint an. Ich weiß es nicht. Ich hoffe, dass nichts Schlimmes passiert. Aber vielleicht muss irgendetwas Schlimmes passieren. Irgendetwas schlimmes, damit alle aufhören.

Der Regen fällt auf Westberlin

July 12th, 2007

Der Regen fällt auf Westberlin. Es ist kein schwerer, triefender Regen sondern vielmehr ein federleichter, sprühender, der den abgebrochenen Altweiberzahn der Gedächtniskirche in eine nassen Trauerschleier hüllt. Westberlin ist ein kalter, deprimierender Ort, denke ich, niemals möchte ich hier leben müssen. Rund um den Bahnhof Zoo versinkt die kühle Nüchternheit der Nachkriegszeit langsam im Dornröschenschlaf, während drüben, in Mitte amerikanische Künstler in zerrissenen Jeans aufgeregt Vernissagen eröffnen.  Der Tod macht auch ganz unten nicht halt und selbst die Prostituierten und Drogenabhängigen sind bereits ans Kottbusser Tor umgezogen. Zurück bleiben weggeworfene Fast-Food- Behälter, Sex-Shops und ein paar dröhnende Kleiderläden. Ich lasse meine Zigarette auf den nassen Teer fallen. Wenn die Lokführer nicht gestreikt hätten, wäre ich hier niemals ausgestiegen. „Fahren sie mit der U-Bahn nach Zoo und schauen sie weiter“, hat die Frau am BVG-Schalter zu mir gesagt, um dann sofort wieder in eine stoische Gleichgültigkeit zu verfallen. Den Berlinern scheint alles egal zu sein, die leere Weite ihrer vernarbten Stadt hat sie offenbar hart gemacht. Vierzig lange Jahre verlief hier die Front. Jetzt, wo die russischen Panzer längst im Kaukasus vergammeln, ist Westberlin gefallen. Aber den Menschen ist es offenbar wurscht, genauso wie die Tatsache, dass die S-Bahnen nicht fahren.

Als ich vor zehn Jahren das erste Mal in Berlin ankam, schien die Sonne über Westberlin. Es war die klare, kalte Sonne eines nebelfreien Wintertages, die die steinerne Krone der Gedächtniskirche in ein silbernes Licht tauchte. Die Menschen gingen schnell und mit erhobenem Kopf. „Hier ist also Berlin“, dachte ich und fuhr mit der S-Bahn quer durch die schlammigen Baugruben in Mitte. Drüben, am Alex hingen nur Penner und im Prenzlauer Berg waren die Strassen voller Löcher.  Aber das spielte eigentlich keine Rolle, denn selbst ich als Kind der Provinz hatte schnell begriffen, wo die Musik in Zukunft spielen würde. Allerdings war die Zukunft noch ein ferner Ort, die Millionen von Kinderwagen rund um den Kollwitzplatz undenkbar und der Regierungssitz ein besserer Plattenbau im beschaulichen Bonn. Offenbar gab es damals wilde Partys im Osten, aber ich habe das nicht einmal am Rande mitgekriegt. Stattdessen sah ich mir einen Film von Roberto Rodriguez an. Der Film hieß The Faculty, war unterirdisch schlecht und Rodriguez ließ sich am Ende der Vorstellung sogar noch zu einem wahnsinnig einfallsreichen Scherz hinreißen und sagte: „Ich bin ein Berliner.“ Nur: er sagte diese Worte weder vor dem roten Rathaus, noch in einem der funkelnden Paläste rund um die Friedrichstrasse, sondern im Zoo Palast. Mitten im kleinen, grauen Westberlin.

Jahre später gehe ich die Kastanienallee hinab und die Leute um mich herum tragen ihre Sonnebrillen auch bei Nacht. Die Welt hier ist ein Laufsteg, der nie endet und auf dem sogar das stoischste Understatement zur Pose erstarrt. Ich berausche mich an mir selbst und meinen Freunden geht es – glaube ich – ebenso. Wir trinken uns durch Vernissagen, feiern in Bars mit zerschlissenen Sofas, vergolden die Trümmer unserer Erinnerungen und lassen zahllose, durchgefeierte Nächte so zu epischen Ereignissen werden. Manchmal berühren wir dabei den Himmel und manchmal stecken wir bis zum Hals im Dreck. Aber das macht nichts, denn wir haben es uns in unserem Leben ziemlich gut eingerichtet und am Ende der Torstrasse, dort wo Wedding anfängt, drehen wir immer rechzeitig ab, bevor es zu spät ist. Gestern Abend, als wir im Zu mir oder Zu Dir saßen, sprach PF davon, nach Argentinien zu gehen. „Irgendwie muss sich etwas ändern, das ist alles zu schlaff, zu einfach“, hat er gesagt.  Ich habe dann noch etwas White Russian getrunken und mit zwei Mädchen aus Sachsen gesprochen. Eines der Mädchen hat gesagt, Leipzig wäre die schönste Stadt der Welt und ich habe genickt und bei mir selbst gedacht, dass das nicht stimmt. Berlin ist die schönste Stadt der Welt, weil der Alltag hier ein mit opulenten Individualisten besetztes Drama ist und ich mit der hyperrealistischen Spröde der Provinz nach alledem gar nicht mehr zurechtkommen würde.

Der Regen fällt immer noch auf Westberlin, er ist bloss schwerer geworden, das Wasser rinnt in Bächen von den schmutzigen Betonfassaden und die Leute eilen gebückten Ganges über die nassen Strassen. Ich stehe am Bahnhof Zoo und warte darauf, dass die S-Bahn endlich wieder fährt, nachdem die Lokführer den ganzen Morgen gestreikt haben. Den Berlinern ist das egal, mir inzwischen auch, denn ich bin mickrig klein und von der Trunkenheit ist nur noch der Kater übriggeblieben. Vielleicht, denke ich in diesem Augenblick, ist dieser Ort unausweichlich und ich wache eines Tages im Mief des sterbenden BRD-Kleinbürgertums auf. Dann würde er mich reinwaschen und in die sinnstiftende Enge der Provinz zurückschwemmen, der Westberliner Regen.